Cannabis und Niereninsuffizienz... kann das gut gehen?

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enter image description here grow! Patrick, du hattest uns geschrieben, dass du schon seit Kleinkindesalter an Niereninsuffizienz leidest. Wie kam es dazu ? Patrick: Naja, eigentlich nur, weil ich ein Frühchen war. Ich hatte es ein wenig eilig und bin zwei Monate zu früh geboren. Leider waren meine inneren Organe noch nicht ausreichend entwickelt. Kurz nach meiner Geburt dachten die Ärzte, ich hätte nur eine Niere und diese funktioniere nicht richtig. Die zweite war eine Schrumpfniere, welche erst im vierten Lebensjahr gefunden wurde. Wenn es nach den Ärzten gegangen wäre, hätten sie mich am liebsten gleich dialysiert (Blutwäsche). grow! Das hört sich gar nicht gut an. Was wurde stattdessen getan? Patrick: Meine Eltern weigerten sich und wollten es erst mit Heilpraktikern versuchen in den Griff zu bekommen, ich bekam von klein auf zwischen fünf und zehn verschiedenen Medikamente. Natürlich waren das nicht alles Präparate für die Niere, die meisten musste ich nehmen, um die Ne-benwirkungen anderer Medikamente zu lindern. Z. B. litt ich schon ab meinem vierten bis zum achten Lebensjahr an Morbus Perthes. Das ist eine Kinderkrankheit, wo sich das Knochengewebe langsam anfängt auf-zulösen. Bei mir fing der rechte Oberschen-kelknochen an zu zerbröckeln grow! Bitte was, der Knochen zerbröckelte, warum? Patrick: Ja, weil die Nieren nicht mehr richtig arbeiteten, spülten sie das Phosphor nicht mehr aus meinem Körper, welches sich dann immer mehr ansammelte und zu diesem Ergebnis führte. Ich musste deswegen vier bis fünf Jahre eine Thomasschiene am rechten und einen Plateauschuh an meinem linken Fuß tragen. Leider war das nur der Anfang. Es kamen noch Schwerhörigkeit und mehrmalige Operationen am Ohr hinzu. Weil die Flüssigkeit nach meh-reren Mittelohrentzündungen nicht mehr ablaufen konnte und mein Gehörgang blockiert war, musste ich mehrmals beidseitig eine Pauken-Drainage machen lassen, da-mit sie wieder abfließen konnte. Leider hatten alle Operationen nichts gebracht, und ich hörte immer schlechter. Letztendlich kam ich dann doch nicht an den Hörgeräten vorbei und trage sie heute noch. Schlimmer noch war die tägliche Übelkeit, erbrechen, gereizt sein u. s. w. So ging es dann weiter, bis ich elf Jahre alt war und meine Niere letztendlich doch versagte. Das hieß für mich, dass ich jetzt für nur elf Monate an die Dialyse musste, bis ich dann glücklicherweise eine Niere bekam. grow! Das war keine schöne Kindheit. Sag mal, wie hast du dich während oder nach der Dialyse gefühlt? Patrick: Das war eine schlimme Zeit, an die ich mich nur mit Schmerz zurück erinnere. Drei mal in der Woche fuhr ich nach München-Schwabing zur Dialyse für jeweils vier Stunden. Die Fahrt hin und zurück nahm nochmal vier Stunden in Anspruch und wenn man mir zu viel Wasser bei der Dialyse entzog, brach ich nach wenigen Metern zusammen, Kreislaufprobleme. Meist ging es mir für zwei Wochen gut und dann wieder für zwei Wochen elendig schlecht. Oft schlief ich auch im Sitzen, denn sobald ich mich hinlegte, bekam ich Atemnot. Ich durfte auch nicht mehr als 50o ml Flüssigkeit am Tag zu mir nehmen, Nahrung mit inbegriffen. grow! Du sagtest vorhin, dass du „nur" für elf Monate dialysiert wurdest. Was ist dann passiert? Patrick: Dafür muss ich etwas ausholen. Also, um an die Dialyse angeschlossen werden zu können, werden zwei Shunts in den Unterarm einoperiert. Das sind zwei Anschlüsse, womit man an der Dialyse angeschlossen wird, um das Blut reinigen zu lassen. Meine Adern aber haben sich immer wieder verschlossen, so dass ich am Ende sieben Shunts im linken und im rechten Unterarm hatte. In beiden Armen und in der Brust bekam ich mehrmals Thrombosen. Sie versuchten dann noch, einen Dialysekatheter am Hals und später durch die Brust ans Herz zu platzieren, aber wieder ohne den gewünschten Erfolg. Mal entzündeten sie sich aus unerklärlichen Gründen, oder ich bekam einen multiresistenten Keim u. s. w., bis nichts mehr zu machen war und sie sich entschlossen, mir eine neue Niere zu implantieren. grow! Das war doch wieder Hoffnung, oder nicht? Hast du die Nierentransplantation nicht gut verkraftet? Patrick: Nein, ganz und gar nicht. Es gab diverse Komplikationen, ich hatte wäh-rend der OP einen Herzstillstand und lag anschließend für zwei Monate im künst-lichen Koma. Als ich wieder aus dem Koma erwachte, musste ich wieder anfangen, laufen zu lernen. Die Muskeln waren total abgebaut. Insgesamt lag ich damals acht Monate im Krankenhaus. Die Nebenwirkungen der Tabletten waren der reinste Horror. Das schlimmste, aber gleichzeitig das wichtigste Präparat war „Sandimun", um eine Abstoßungsreaktion zu vermeiden. Mir wuchs davon das Zahnfleisch regelmäßig über die Zähne hinweg, so dass ich fast wöchentlich zum Zahnarzt musste und er mir mit einem Skalpell alles wieder richtete. Die Haare wuchsen mir am ganzen Körper, einen bis zwei Zentimeter am Tag. Ich musste mich jeden zweiten Tag am ganzen Körper rasieren. Hinzu noch die üblichen Nebenwirkungen, wie Übelkeit, Erbrechen u. s. w., aber das kannte ich ja eh nicht anders. grow! Entschuldige Patrick ... am ganzen Körper wuchsen dir Haare? Patrick: Ja, sogar auf der Stirn, am Rücken, sogar an den Ohren, eigentlich überall außer an den Handinnenflächen und den Fußsohlen. Ich sah oftmals aus wie ein Monster. Trotz allem wollte meine neue Niere anfangs nicht wirklich anfangen zu arbeiten. Ich hatte insgesamt acht Abstoßungen und siebenmal davon wurde eine Biopsie gemacht. Das heißt, es wird ein Stückchen Gewebe von der Niere entfernt, damit nachgeschaut werden kann, ob es sich um eine Abstoßung handelt. Durch diese Biopsien wurde meine neue Niere erneut beschädigt, und es blieben drei Zysten zurück. Zweieinhalb Jahre später gaben meine damaligen Ärzte die Niere schon wieder auf. Sie sagten mir, dass ich nur noch ein paar Monate mit dieser Niere zu leben habe. grow! Unglaublich... von Geburt an musstest du leiden, Qualen ertragen, ohne Aussicht auf Besserung. Woher hattest du diese Kraft, weiter so stark am Leben festzuhalten? Patrick: Ich denke, dass es anfangs die kindliche Power war. Als Kleinkind denkt man nicht so viel an morgen, und wenn es mir besser ging, war auch alles wieder ok. Nur mit den Jahren wurden die Qualen immer größer und die Zuversicht immer geringer. Ich war damals fünfzehn Jahre, als die Ärzte mir sagten, ich hätte nur noch wenige Monate und war natürlich am Boden zerstört. Wusste nicht mehrweiter, für mich war es das Ende. Das war der Zeitpunkt, den Rat eines Freundes zu beherzigen und Cannabis auszuprobieren. Ehrlich gesagt war mir zu diesem Zeitpunkt alles scheißegal. Eigentlich wollte ich es nie probieren, wegen all der Lügen, die mir über diese wundervolle Pflanze aufgetischt wurden. Aber da in meinen Augen sowieso alles verloren schien, probierte ich es einfach, schlimmer konnte es ja nicht mehr werden. Die Wirkung war erstaunlich. Das erstemal in meinem ganzen Leben fühlte ich mich gut, frei von allem, was mich bedrückte. Ich bekam einen Fresskick, Heißhunger auf alles mögliche. Alles blieb drinnen und ohne das ich mich später schlecht fühlte. Ein ganz neues Lebensgefühl breitete sich in mir aus. Zum erstenmal in meinem Leben verspürte ich wahre Lebensfreude. Sofort rannte ich freudestrahlend nach Hause und berichtete über meine extrem positive Erfahrung mit Cannabis und sagte im gleichen Atemzug, dass ich nie wieder darauf verzichten möchte. grow! (feuchte Augen) Unglaublich, ist das cool. Wie haben sie reagiert? Patrick: Naja, sie waren nicht so euphorisch, wie ich es war. Aber eigentlich schon ganz locker, haben ja selbst jahrelang gekifft. Aber auch, wenn sie dagegen gewesen wären, wäre mir das völlig egal gewesen. grow! Was hat denn deine Niere dazu gesagt, dass du angefangen hast, Gras zu rauchen? Patrick: Das war ja das Erstaunliche. Meine Blutwerte wurden so gut wie nie zuvor seit der Implantation. Bevor ich angefangen habe mit Cannabis, gingen meine KreatininWerte nie unter 2,5 dann aber sanken sie auf 1,9. Was für mich schon wie ein Wunder war. grow! Was sagten deine Ärzte dazu? Sie müssen doch diese Veränderung bemerkt haben oder? Patrick: Ja, das haben sie. Aber sie haben mir nicht geglaubt, dass es vom Cannabis kommt. Im Gegenteil, der Oberarzt in München meinte noch zu mir, wenn ich mit dem Cannabiskonsum nicht aufhöre, bekäme ich NIE WIEDER eine Niere. Weil ich mit ihr angeblich Schindluder treiben würde. Das war mir aber egal, weil ich eh aus Osterreich komme. Naja, am Ende hat die Niere weitere sieben Jahre gehalten, dank Cannabis. Obwohl die Ärzte meinten, ich hätte nur noch wenige Monate . grow! Unglaublich. Hatte sich zu dieser Zeit vielleicht noch etwas anderes geändert, wie z. B. andere Medikamente oder höhere Dosierungen ? Das vielleicht die Verbesserung auch daher kam, plus die positive Einstellung dank Cannabis? Patrick: Nein, im Gegenteil. Nachdem ich bemerkte, wie gut Cannabis mir tat, auch für meine Psyche, rauchte ich natürlich täglich. Irgendwann wollte ich es wissen und habe angefangen, die Medikamente, welche ich bekam, langsam zu verringern. Aber die Blutwerte blieben gleich. Bis ich dann die meisten Tabletten gänzlich abgesetzt hatte. Aber die Blutwerte blieben immer gleich positiv. grow! Das ist unfassbar. Wie kam es denn, dass die Niere dann doch irgendwann aufgehört hat zu arbeiten? Patrick: Wenige Monate, bevor auch diese Niere ihren Geist aufgab, habe ich meine Frau kennengelernt und nachdem feststand, dass sie schwanger war, wollte ich meine zukünftige Familie nicht gefährden und habe aufgehört, Cannabis zu konsumieren. Ich wollte, wie man so schön sagt, erwachsen werden. Außerdem kam noch das schlechte Gewissen, da es sich ja um eine illegale Medizin handelt. Ein halbes Jahr lang ging es mir schlechter und schlechter. Aber ich brachte das damals nicht direkt mit meinem abgebrochenen Cannabiskonsum in Verbindung. Also, wieder Dialyse. Gott sei Dank hatte ich diesmal Glück im Unglück und musste nur ein halbes Jahr an die Dialyse. Aber das nur, weil ich nicht mehr dialysierbar war. Alle Shunts haben sich immer wieder von selbst verschlossen, wie schon beim erstenmal. Es ging nur über ein Herzkatheter. Am Schluss wurde mir ein Perm-kath gelegt, der zwei Jahre halten sollte. Aber leider kam es im Krankenhaus zu einer Verwechslung der Dialyse-Anschlüsse, und ich musste dann statt vier, acht Stunden an die Dialyse. Das war eine Qual. Gott sei Dank bekam ich aber am nächsten Tag eine neue Niere. grow! Wow, da hast du aber diesmal echt Glück gehabt. Patrick: Ja, das stimmt schon, nur leider wollte diese Niere einfach nicht anfan-gen, selbstständig zu arbeiten. Ich musste wieder alle zwei Tage, acht Stunden, trotz neuer Niere an der Maschine hängen. Kurz bevor ich aufgeben wollte, kam mir ein Ge-dankenblitz, CANNABIS. Ich lag noch auf der Intensiv Station, da fragte ich meine Frau, ob sie mir nicht etwas zu rauchen mitbringen könnte. Das tat sie auch. Doris (Patricks Frau): Das war ja unsere einzige Hoffnung. Also brachte ich ihm eine kleine Pur-Pfeife und ein Gramm Hasch mit. Patrick: Ich war so happy. Sofort bröselte ich etwas Hasch ins Pfeifchen und zog zweimal kräftig daran. Ich verspürte sofort eine leichte Entspannung im ganzen Körper und keine zwei Stunden später konnte ich auf Toilette Wasser lassen. grow! Was? Das bedeutete doch, deine Niere fing an zu arbeiten. Doris: Ja, genau. Das war echt unglaublich. 14 Tage lang ging gar nichts, dann zieht er zwei mal an einer Hasch-Pfeife und wenig später fing die Niere an zu arbeiten. Ich bekomme noch heute Gänsehaut, wenn ich daran denke. grow! Echt? Das ist ja unglaublich. Patrick: Dachte ich auch anfangs. Jetzt, wo ich aber mit meinen Problemen an die Öffentlichkeit gegangen bin, habe ich schon eine Menge Menschen mit ähnlichen Problemen kennengelernt, die selbst seit 3o Jahren kiffen und deren implantierte Organe noch immer gut arbeiten. Oder besser gesagt, genau aus diesem Grund noch so gut arbeiten. Nur leider haben die meisten Personen hier in Österreich Angst, sich zu outen. Angst vor Strafverfolgung und auch, dass sie vielleicht von der Gesellschaft als Drogensüchtige abgestempelt werden. grow! Heißt das, du hast die Medikamente wieder abgesetzt und rauchst nur noch Gras wie früher? Patrick: Nein, ich habe, wie gesagt, jetzt auch Verantwortung für meine Frau und Kinder. Ich nehme schön brav meine Tabletten, zur Zeit 16 verschiedene, aber zusätzlich rauche ich auch meinen Joint, wenn ich was habe. Ich bekomme zwar Dronabinol verschrieben, aber das wirkt nicht so wie Cannabis-Blüten. Ich vermute, wegen dem CBD (Cannabidiol), welches nicht im Dronabinol ist, sondern nur THC (Tetrahydrocannabinol). CBD wirkt entzündungshemmend und reduziert Angst, Panik sowie auch Übelkeit und vieles mehr. Ich werde so-lange für mich und andere Patienten hier in Österreich kämpfen, bis auch wir die Möglichkeit haben, Cannabis aus der Apotheke zu beziehen. Wir sind kranke Menschen und keine Verbrecher, wir wollen nicht kiffen, um breit zu sein, nein. grow! Du sagtest vorhin, seitdem du in die Offentlichkeit gegangen bist, erfährst du von immer mehr Patienten, die dank Cannabis noch Freude am Leben haben. Wie hast du diese Gleichgesinnten gefunden, bist du in einer Selbsthilfegruppe? Denn wie du schon sagtest, einfach so outen machen die wenigsten. Patrick: Ja, das stimmt. Ich bin seit vier Jahren aktives Mitglied der CAM-Austria (Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin). Meine Frau und ich machen seit drei Jahren auch den CAM-Info-Stand auf der Cultiva Messe in Wien. Doris: Ja, genau. Wir sind auch dieses Jahr wieder dabei, und wenn der eine oder andere uns besuchen oder Erfahrungen austauschen möchte, nur zu. Wir würden uns freuen. grow! Doris, Patrick, erst mal vielen Dank für dieses sehr interessante Interview. Wir drücken euch beiden die Daumen und wünschen euch für die Zukunft viel Spaß und Freude mit euren Kindern. Patrick wir drücken dir für die Zukunft die Daumen. Du bist ein starker Kämpfer, mach weiter so. Wir sehen uns auf der Cultiva Messe.

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